Rechtsanwalt Thomas Kümmerle

Fachanwalt für Strafrecht / Strafverteidigung, Unfallregulierung & Verkehrsrecht / Kanzlei Hoenig Berlin

Unfallratgeber: Heiliges Blechle!

Den Schaden an Ihrem Fahrzeug können Sie entsprechend der Haftung natürlich ersetzt verlangen. Die Frage ist nur, wie hoch ist der Schaden eigentlich, müssen Sie reparieren lassen, dürfen Sie Ihr Fahrzeug auch bei einem Totalschaden behalten usw. ?

1. Reparaturschaden, konkret oder fiktiv?

Ist der Schaden zu beheben und Ihr Fahrzeug werthaltig genug, erhalten Sie die von Ihrem Sachverständigen kalkulierten Instandsetzungskosten ersetzt, soweit diese erforderlich sind. Sie können Ihr Fahrzeug also in einer Werkstatt Ihres Vertrauens reparieren lassen, bekommen die von Ihnen verauslagten Werkstattkosten inklusive Mehrwertsteuer erstattet oder die Versicherung erklärt der Werkstatt gegenüber die Übernahme der Kosten und bezahlt direkt dorthin.

Kleiner Tipp: Sollte absehbar sein, dass die Werkstattrechnung deutlich über der Kalkulation Ihres Sachverständigen liegt, wird die Versicherung sicher Nachfragen haben und die Erforderlichkeit der Reparaturkosten infrage stellen. In einem solchen Fall sollte sich die Werkstatt sofort mit Ihrem Sachverständigen abstimmen, der dann Ihr Fahrzeug im zerlegten Zustand nachbegutachten wird.

Alternativ können Sie auch fiktiv abrechnen, also ohne einer Reparatur nachzuweisen. Dann werden die erforderlichen Instandsetzungskosten netto, ohne Mehrwertsteuer bezahlt. Grund hierfür ist das deutsche Schadenersatzrecht, wonach Mehrwertsteuer nur dann ersetzt wird, wenn Sie tatsächlich angefallen ist. Was Sie nach einer fiktiven Abrechnung mit dem Geld machen, bleibt völlig Ihnen überlassen. Sie können auch weiter mit einer Beule im Auto herumfahren und stattdessen von dem Geld in den Urlaub fliegen. Juristisch nennt sich das Dispositionsfreiheit des Geschädigten.

Wenn Sie Schrauber sind und Ihr Fahrzeug privat reparieren, bekommen Sie Mehrwertsteuer nur für die gekauften Ersatzteile erstattet (entsprechende Kaufbelege mit ausgewiesener Mehrwertsteuer sollten Sie also aufheben).

Kürzungspraxis der Versicherungen bei fiktiver Abrechnung

Natürlich versuchen die Versicherer nach Möglichkeiten, gerade bei der fiktiven Abrechnung zu sparen und erfanden zunächst den so genannten Prüfbericht. Firmen „prüfen“ im Auftrag der Versicherung, ob die von Ihrem Sachverständigen kalkuliertem Kosten erforderlich sind. Tatsächlich werden einfach die vom Sachverständigen berechneten Stundensätze durch Billigpreise angeblich freier Werkstätten ersetzt, Lackierkosten als übersetzt gekürzt, noch ein paar Ersatzteile gestrichen und fertig ist der Prüfbericht.

Sie als Geschädigter werden dann an eine günstigere Werkstatt verwiesen, die Ihnen angeblich zu den genannten Preisen Ihr Fahrzeug wieder zusammenschrauben würde. Eine solche Werkstatt muss aber, so der Bundesgerichtshof, erstens für Sie mühelos erreichbar sein und zweitens zu gleicher Qualität reparieren wie eine Markenwerkstatt. Ob „Paul Kasubkes Karosserie Klempnerei“ tatsächlich gleichwertig repariert, wie zum Beispiel Mercedes-Benz und ob in Ihrem konkreten Fall die Kürzung hingenommen werden muss oder nicht, prüft Ihr Anwalt für Sie.

Abzug neu für alt

Einen Abzug, den Sie sich gefallen lassen müssen, ist der Abzug neu für alt, wenn ihr Fahrzeug durch die Erneuerung der unfallbeschädigten Ersatzteile eine Wertverbesserung erhält. Diesen Abzug berücksichtigt Ihr Kfz-Sachverständiger bereits in seinem Gutachten.

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