Rechtsanwalt Thomas Kümmerle

Fachanwalt für Strafrecht / Strafverteidigung, Unfallregulierung & Verkehrsrecht / Kanzlei Hoenig Berlin

Unfallratgeber: Ich hänge doch aber so an meinem Auto!

4. Reparatur trotz Totalschaden, die „130 % Regelung“

Wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen, ist eine Instandsetzung Ihres Fahrzeugs eigentlich unwirtschaftlich. Vielleicht hat Ihr Fahrzeug für Sie aber einen besonderen ideellen Wert. Sie sind an Ihr Fahrzeug gewöhnt oder verknüpfen damit besondere Erinnerungen. Die Rechtsprechung hat dieses besondere Interesse und die Tatsache, dass Kraftfahrzeuge hierzulande einen besonderen Stellenwert haben anerkannt und daher die sogenannte 130 % Regelung eingeführt. Danach können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Ihr Fahrzeug trotz eines Totalschadens reparieren lassen.

Erste Voraussetzung ist, dass die voraussichtlichen Reparaturkosten des Fahrzeugs maximal bis 30 % über dem Wiederbeschaffungswert liegen. Als Nachweis darüber, dass das besondere sogenannte Integritätsinteresse besteht, müssen Sie Ihr Fahrzeug nach dem Unfall mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten weiter nutzen und versichern sowie die Reparatur genau wie im Gutachten vorgegeben, vollständig und fachgerecht durchführen lassen. Eine fiktive Abrechnung ist nicht möglich, d.h. es muss immer eine Reparatur erfolgen.

Entweder belegen Sie diese mit einer Rechnung Ihrer Werkstatt, aus der hervorgeht, dass die Instandsetzung gemäß des Gutachtens erfolgte. Alternativ ist auch eine Reparatur in Eigenleistung zulässig und möglich. Allerdings muss im Anschluss an die erfolgte Instandsetzung eine sogenannte Reparaturbescheinigung durch den Sachverständigen ausgestellt werden. In dieser muss bestätigt werden, dass die Reparatur vollständig fachgerecht durchgeführt wurde. Eine Billigreparatur, bei der keine vollständige Wiederherstellung des Fahrzeugs erfolgt, reicht also nicht aus. Die Versicherung wird dann einen Totalschaden abrechnen und die ganze Arbeit war umsonst.

Stellt sich im Laufe der Reparatur heraus das die Instandsetzungskosten die 130 %-Grenze übersteigen, ist das kein Grund zur Panik. Sofern es sich um verborgene Schäden handelt, die für den Sachverständige zunächst nicht ersichtlich waren und die ausschließlich auf den Unfall zurückzuführen sind, ist eine Überschreitung der Reparaturkosten erlaubt. Dieses Prognoserisiko trägt der Unfallgegner bzw. dessen Versicherung.

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